weniger ist weniger

Weniger, nein, gar kein Gepäck

Reisen ohne Gepäck? Geht das? Rolf Potts ist ohne ein einziges Gepäckstück durch die ganze Welt gereist. Ich habe erstmal ein etwas kleineres Experiment gewagt und habe ohne Gepäck ein Wochenende in London verbracht.

Kein Gepäck heißt natürlich nicht, dass ich gar keine Dinge dabei hatte. Meine "Gepäckliste" - inkl. der Kleidungsstücke, die ich an hatte - sah wie folgt aus:

Ich habe extra keine Seife mitgenommen, da ich im Hotel übernachtete und es dort Seife gab. Wie sich später rausstellte, hätte ich auf für die Zahnbürste und Zahnpasta auf die Hotelreserven zurückgreifen können.

Die Sachen sind in der Jacke ganz gut untergekommen. Allerdings würde ich in Zukunft vermutlich auf spezielle Funktionsunterwäsche und Socken aus Kunstfasern setzen, da sie leichter sind und schneller trocknen.

Auf dem Weg zum Flughafen merkte ich bereites, dass diese Art zu reisen etwas komisch ist. Man fühlt sich eigentlich - mangels Gepäck - gar nicht so, als ob man nun vereist. Allerdings waren die Vorteile dieser Art zu Reisen direkt zu merken: Man ist viel schneller unterwegs als die Reisenden mit Handgepäck oder riesigen Koffern.

Der Sicherheitscheck am Flughafen war der schnellste den ich bisher erlebt hatte. Einfach die Jacke in die Box, Schlüssel und Telefon drauf und am Ende wieder einsammeln. Lustigerweise wurde ich nur am Berliner Flughafen auf dem Hinflug gefragt, das Spray, dass ich dabei habe zu zeigen. Als es sich als Deo herrausstellte, war das kein Problem. Auf dem Rückflug ging alles ohne Nachhaken. Jacke durch den Scanner und weiter.

Das Boarding (Ryanair) war ohne Gepäck auch sehr angenehm. Obwohl ich nicht bei den Priority-Boarding-Leuten dabei war, habe ich meinen Wunschplatz an den Notausgängen über den Tragflächen sowohl beim Hin- als auch beim Rückflug ohne Rennen bekommen. Die dort gegebene Beinfreiheit macht den Flug bei meiner Körpergröße sehr angenehm. Auch das nervige Verstauen des Handgepäcks und Kämpfe um die Plätze in den Ablageflächen ist mir erspart geblieben.

Allgemein fühlt mich sich viel flexibler, schneller und ungebundener. Man hat immer alles dabei und muss sich keine Gedanken machen, wo man das Gepäck nach dem verlassen des Hotels lagert, bevor man die Rückreise antritt.

Natürlich habe ich nicht das ganze Wochenende die gleichen Sachen getragen. Also nicht ganz. Zur Anreise hatte ich sowohl Longsleeve als auch T-Shirt an, am Samstag dann nur das T-Shirt und die Jacke drüber. Es war interessanterweise nämlich recht warm in London. Die Unterwäsche und Socken habe ich Freitag Abend gewaschen, so dass sie am Sonntag wieder trocken und sauber war. Kunstfaserfunktionskleidung wäre hier sicher hilfreich. Für längere Reisen würde ich auch für T-Shirts etc. auf schnell trocknende Kleidung setzen, damit Waschen alle 1-2 Tage kein Problem ist.

Fazit: Reisen ohne Gepäck ist durchaus möglich und bietet viele Vorteile. Letztendlich hilft es dabei sich mehr auf die Reise selbst als auf die Sachen drumherum zu konzentrieren. Ich kann mir gut vorstellen, auch längere Reisen ohne Gepäck zu unternehmen. Viele Probleme, die man mit Gepäck "erschlagen" kann muss man zwar anders lösen. Das ist aber nicht unbedingt schwerer, nur anders.

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